Grußwort Bürgerpreis

Grußwort zur Bürgerpreisverleihung an Fr. Anni Kump von Pfrin. Dr. R. Huppert

Ich laufe jetzt schon im zweiten Jahr am 1. Januar mit dem Hund durch die Straßen Griesheims und sammle nebenbei die Stöckchen ein, die von der Silvesterraketen herumliegen. Feine stabile Hölzer, kann man prima im Garten gebrauchen.
Ich friere Kuchen in Einzelportionen ein. Das ist praktisch, wenn man allein lebt.

Ich tue das, weil Frau Kumpf in meinem Leben ist, mitunter sehr persönlich und direkt, wie in dem Leben vieler anderer Menschen hier in Griesheim. Und das waren nur zwei Beispiele, zwei eher bodenständige.

Was ich sagen möchte: Frau Kumpf wirkt vorbildhaft als Mensch und Christin in unserer Gemeinde. Gerade in der Zeit des Lockdowns, als sie – eigentlich uns allen – anderen gezeigt hat, wie das geht, das Kontakthalten, Beieinander bleiben, aufeinander Achthaben.

Die biblische Bestimmung, dass der Mensch nicht allein sein soll (Gen 2,18), ist mit dem Gedanken der Ehe zwischen zwei Menschen ja noch nie ausgefüllt gewesen. Es geht um die ganz grundsätzliche Wahrheit, dass wir als Menschen andere Menschen brauchen. Einsamkeit ist ein fundamentales gesellschaftliches Problem, das zu Recht zunehmend auch auf politischer Ebene wahrgenommen wird.

Mit dem, was Frau Kumpf tat und immer noch tut, prägt sie den Anspruch und den Ton in der Gemeinde weit über die Frauenhilfe hinaus. Sie zeigt, wofür wir als Gemeinde da sind und was unser Auftrag als Menschen in der Welt ist, weil der Mensch nicht dazu gemacht ist, allein zu sein.

Es war der Verfassungsrechtler Böckenförde, der in den frühen Jahren der Bundesrepublik in Bezug auf die berüchtigte hinkende Trennung von Staat und Kirche anerkennend bemerkt hat, dass der freiheitlich-demokratische Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht schaffen kann. Es sind diese gelebten Werte, die er damit ansprach. Mit Gesetzen ist ein solches Engagement nicht herzustellen, nur mit gelebter Mitmenschlichkeit aufrecht zu erhalten. Wir brauchen diese Menschen, die das tun, wir alle brauchen sie.

Und darum ist es für mich als Pfarrerin hier zu stehen, in der Bürgergemeinde Griesheims und ein Grußwort für Frau Kumpf zu sprechen, Ausdruck der segensreichen Trennung von Staat und Kirche. Es ermöglicht im Sinne des großen Staatsrechtlers Böckenförde die freie Anerkennung des jeweils Besten, was wir für einander tun können.

Frau Kumpf gehört zum Besten, was wir als Kirchengemeinde für Griesheim zu bieten haben.
Deswegen Danke an die Jury für diese Entscheidung, danke für die Einladung und die Möglichkeit als Pfarrerin der Luthergemeinde zu diesem Anlass zu sprechen.

Vor allem: Danke liebe Frau Kumpf und herzlichen Glückwunsch!